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Im Spätzyklus

Warum wir ein insgesamt risikofreundliches Umfeld sehen und uns für eine niedrige Volatilität positionieren.

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Editorial

Multi Asset

Im Spätzyklus

Warum wir ein insgesamt risikofreundliches Umfeld sehen und uns für eine niedrige Volatilität positionieren.

Aufschwung ohne Ende oder Spätzyklus? Um diese Frage drehen sich derzeit die Märkte. Diese zwei Szenarien haben völlig unterschiedliche Auswirkungen, sind aber nicht so leicht auseinanderzuhalten. Beide zeichnen sich durch ein solides BIP-Wachstum und eine niedrige Inflation aus. Beide unterstützen Risikoanlagen. Der große Unterschied liegt in der Dauer der guten Zeit, die noch vor einem liegt.

Wir sehen uns eher im Spätzyklus. Seit der globalen Finanzkrise 2008 werden Anlageerträge weitgehend von jahrelang extrem niedrigen Zinsen und Anleihekaufprogrammen der Zentralbanken unterstützt. Der Wendepunkt im globalen geldpolitischen Zyklus könnte bald erreicht sein. Bei dem Versuch der Zentralbanken, ihre ultraexpansive Geldpolitik zu verlassen, kann es sicher auch zu Fehlern kommen. Die Märkte reagieren weiterhin stark auf jede noch so kleine Bewegung und noch so vage Andeutung.

Aber die Politik der großen Zentralbanken dürfte weltweit eher expansiv bleiben. Obwohl die Notenbanken derzeit für Unsicherheit sorgen, stehen sie gleichzeitig bereit, mögliche Turbulenzen abzufangen. Die Zinsen dürften nur langsam steigen, sodass sich der Spätzyklus noch 12 bis 24 Monate fortsetzen könnte. Das Risikoumfeld und somit die Anlagepreise dürften also unterstützt bleiben.

Insgesamt gute Aussichten

Die künftige Geldpolitik ist nicht der einzige mögliche Stolperstein. Bei vielen Anlageklassen dauert die aktuelle Rallye bereits sehr lange und ist im historischen Vergleich stark. Nach vielen Kennziffern sind die globalen Aktienmärkte (und andere Märkte) historisch vergleichsweise teuer. Den Unternehmensgewinnen, auf die sich diese hohen Bewertungskennzahlen beziehen, liegen Gewinnmargen auf Rekordhöhe zugrunde, zumindest in den Vereinigten Staaten. Das muss nicht unbedingt beunruhigen.

Die Daten zum US-Wirtschaftswachstum seit 1945 zeigen, dass Aufschwungphasen nicht einfach an Altersschwäche sterben, wie viele immer noch glauben. Dies könnte einer der Gründe sein, warum Phasen niedriger Volatilität oft so lange dauern. Die aktuelle Phase könnte – nicht nur an den Aktienmärkten – alle bisherigen Rekorde brechen. Die Volatilität als Kennziffer für Ertragsschwankungen und als Gradmesser der Nervosität am Markt ist an beinahe allen Märkten so niedrig wie nie zuvor. Die täglichen Marktbewegungen sind enger geworden, die Positionierung an einigen Optionsmärkten – z.B. Wetten auf eine noch niedrigere Volatilität – hat ziemlich extreme Ausmaße erreicht.

Trotz gelegentlicher Volatilitätsspitzen gilt: Nur die Aussicht auf eine Rezession würde die Volatilität nachhaltig nach oben treiben. Daher behalten wir Wirtschafts- und Stimmungsindikatoren, die sich derzeit unverändert positiv darstellen, genau im Blick.

Aktien bevorzugt

Alles in allem sind Aktien aktuell unsere bevorzugte Anlageklasse. Solides Gewinnwachstum, gesunde Bilanzen und unverändert niedrige Zinsen lassen trotz im historischen Vergleich recht hoher Bewertungen eine weitere Aufwärtsbewegung erwarten. Am besten gefallen uns nach wie vor Aktien der Eurozone, weil die Bewertungen Spielraum für Kursanstiege lassen, während die politischen Probleme geringer geworden sind. Nach unseren Erwartungen dürften sich auch Aktien aus Schwellenländern und aus Japan gut entwickeln. US-Aktien dagegen überzeugen uns weniger, hauptsächlich aufgrund der höheren Bewertungen.

Im festverzinslichen Bereich und bei anderen Anlageklassen allgemein favorisieren wir unter dem Aspekt risikobereinigter Erträge Schwellenländer-Anleihen. In unserem Portfolio haben wir aufgrund des eher negativen Risiko-/Ertragsprofils den Anteil an Unternehmensanleihen der Industrieländer, besonders Hochzinsanleihen, verringert und schrittweise in Aktien umgeschichtet. Unsere Cash-Position und liquide Anleihen haben wir dagegen gehalten. Die Zinssensitivität ist vergleichsweise gering. Gold bleibt als Absicherung gegen Krisen eine strategische Portfoliokomponente. Rein (finanz-)wirtschaftliche Aspekte sind bei weitem nicht die einzigen Faktoren, die wir genau beobachten. Geopolitische Spannungen wie in Nordkorea und deren mögliche Konsequenzen verfolgen wir ebenfalls mit höchster Aufmerksamkeit.

Im Spätzyklus schneiden Aktien meist gut ab

In Phasen niedriger Volatilität, die für den S&P 500 im Durchschnitt 22 Monate dauern, bringen Aktien meist überdurchschnittliche Erträge.

Quellen: Daten von The Goldman Sachs Group, Inc. Global Strategy Paper No. 23 (21.06.2017), Deutsche Asset Management Investment GmbH; Stand: 09/2017
*Diese Phase beginnt, sobald die 1-Monats-Volatilität des S&P 500 unter 10 Prozent fällt und sechs Monate dort verbleibt und endet, sobald die 1-Monats-Volatilität des S&P 500 über 10 Prozent steigt und sechs Monate dort verbleibt
**MSCI Europe Index (in Dollar)
***MSCI Emerging Markets Index (in Dollar)
****Dow Jones Equal Weight U.S. Issued Corporate Bond Index

Hochzinsanleihen im Vergleich zu Aktien überteuert

In Europa liegt die Rendite von Hochzinsanleihen 50 Basispunkte unter der von Aktiendividenden und damit weit unter dem historischen Durchschnitt.

Quellen: FactSet Research Systems Inc., Deutsche Bank AG; Stand: 08/2017

Allokation

Aktien-Allokation aufgestockt

Aktien sind aktuell unsere bevorzugte Anlageklasse.

Aufgrund des soliden Gewinnwachstums stocken wir unsere Aktien-Allokation auf. Unter den Regionen favorisieren wir unverändert die Eurozone, sehen aber auch für Aktien aus den Emerging Markets (EM) und aus Japan Spielraum nach oben. US-Aktien überzeugen weniger. Bei ihnen erscheinen die Bewertungen im historischen Vergleich zu hoch, im Vergleich zu Anleiheerträgen sind sie jedoch akzeptabel. Da die Credit-Spreads eng sind und die Zinsen nur moderat und allmählich steigen dürften, verringern wir unsere Allokation in Investment-Grade-Anleihen und erhöhen sie in EM-Staatsanleihen. Gold setzen wir weiter als Teil einer insgesamt leicht gekürzten Position in Rohstoffen zur Diversifizierung ein.

Quelle : Multi Asset Group, Deutsche Asset Management Investment GmbH; Stand: 06.10.2017

Die hier dargestellte Vermögensaufteilung entspricht einem ausgewogenen, in Euro denominierten Modellportfolio. Sie ist nicht unbedingt für jeden Anleger geeignet und kann jederzeit und ohne Vorankündigung geändert werden. Alternative Anlagen sind mit diversen Risiken behaftet, nicht unbedingt für jeden Anleger geeignet und für jedes Portfolio verfügbar.

Indikatoren

Die Wolken haben sich verzogen

Die Indikatoren signalisieren wieder ein sonniges Umfeld.

Die ersten Monate 2017 waren von einem durchweg positiven Kapitalmarktumfeld geprägt, das sich auch in den Signalen der drei Multi- Asset-Indikatoren widerspiegelte. Gegen Mitte des Jahres trübte sich das Klima unter der Oberfläche etwas ein. Dies lässt sich auch an der divergenten Entwicklung der Indikatoren ablesen. Einerseits zeigte der Risiko-Indikator einen hohen Risikoappetit der Investoren an. Andererseits waren die Erwartungen der Analysten der ökonomischen Realität etwas zu weit vorausgeeilt, sodass die Hoffnungen zum Teil nicht mehr erfüllt werden konnten. Dementsprechend rutschte der Surprise-Indikator um die Jahresmitte zwischenzeitlich in den negativen Bereich.

Darüber hinaus signalisierte der Makro-Indikator eine temporäre wirtschaftliche Abschwächung auf hohem Niveau im 2. Quartal 2017. In den letzten Monaten hat sich das durch die Indikatoren angezeigte Marktumfeld wieder deutlich aufgehellt. Insbesondere haben sich die Surprise-Sub-Indikatoren für Asien, die USA und Europa verbessert, was für eine synchrone Aufhellung in allen Regionen spricht.

Derzeit befinden sich alle drei Multi-Asset-Indikatoren im positiven Bereich und signalisieren ein risikofreundliches Anlageumfeld.

Makro-Indikator

Kondensiert eine Vielzahl von konjunkturellen Daten

Quelle: Deutsche Asset Management Investment GmbH; Stand: 29.09.2017

Risiko-Indikator

Gradmesser für die aktuelle Risikoneigung an den Finanzmärkten

Quelle: Deutsche Asset Management Investment GmbH; Stand: 29.09.2017

Surprise-Indikator

Misst die Abweichung der Konjunkturdaten von den Erwartungen

Quelle: Deutsche Asset Management Investment GmbH; Stand: 29.09.2017

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