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Frühling im Konjunkturherbst

Hier hoch von 1,5 auf 2,1 Prozent. Dort runter von 2,1 auf 1,6 Prozent. Worum geht's? Es geht um unsere 2017er Wachstumsprognosen für die Eurozone und für Großbritannien. Die jeweils erste Zahl stammt vom März 2016, also vor Brexit und Trump, die zweite Zahl ist unsere aktuelle Prognose. Warum erwähne ich das? Weil es zwei wichtige Themen aufgreift, die uns derzeit beschäftigen: das Zusammenspiel zwischen Politik und Wirtschaft sowie die Beschleunigung des Wirtschaftswachstums. Fangen wir mit der Eurozone an, die deutlich schneller wächst als erwartet. Trotz des starken Abschneidens populistischer Parteien bei der Bundestagswahl und trotz der Eskalation in Katalonien steht die EU heute politisch stabiler da, als noch Anfang 2017 zu befürchten war. Die Unternehmen sind zuversichtlich und das Verbrauchervertrauen ist auf dem höchsten Stand seit 2001. Anders in Großbritannien. Dort werden die Konsumenten seit Mitte 2015 skeptischer. Beim Wirtschaftswachstum ist das Land mittlerweile auf den letzten Platz der G7-Staaten gerutscht. Das zeigt, dass sich Politik eben doch auf Wirtschaft und Börsen auswirken kann. Seit dem Referendum hinkt der deutlich heimatlastigere FTSE 250 dem Euro Stoxx währungsbereinigt deutlich hinterher.

Und die USA? Hier haben wir die 2017er Prognose leicht von 2,0 auf 2,2 Prozent erhöht. Das hat mit Politik wenig zu tun, Trump-Euphorie und -Enttäuschung dürften sich die Waage halten. Zumindest beim Thema Deregulierung scheint die US-Wirtschaft von der neuen Administration zu profitieren. In welchem Maße sie sich darüber hinaus über Steuergeschenke freuen können wird, ist noch unklar. Wir haben unsere Erwartungen bereits deutlich reduziert. Allerdings hängen vom Umfang des Steuerpakets auch die Inflations-, Zins- und Devisenerwartungen ab.

Bei allen politischen Unwägbarkeiten bleibt festzuhalten: Die Weltwirtschaft hat sich überraschend gut entwickelt. Wir haben jüngst unsere 2017er Wachstumsprognose von 3,5 auf 3,7 Prozent erhöht. Der aktuelle Konjunkturherbst bekommt somit seinen zweiten Frühling. Dies dürfte im kommenden Jahr die Märkte weiter stützen, auch in Hinblick auf von uns erwartete moderate Inflationszahlen und vorsichtige Zentralbanken.

" Wirtschaftlich hat sich die Welt 2017 besser als gedacht entwickelt. Das politische Resümee fällt gemischter aus. Das liegt auch an den USA, die die Steuerreform noch schuldig sind. "

Stefan Kreuzkamp, Chief Investment Officer

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